Netzwerk-CM Schweiz

Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten.

3-Länder-Treffen in Berlin

Claudia Merki - 15. August 2017

Am 7. Juli trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der drei Fachgesellschaften Netzwerk Case Management Schweiz (Präsidentin Christine Rex und Vorstandsmitglied Lars Golly), Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management DGCC (Ruth Remmel-Fassbender und Wolf-Rainer Wendt) und der Österreichischen Gesellschaft für Care und Case Management ÖGCC (Renate Zingerle, Doris Formann und Maria Pötscher-Eidenberger) in Berlin.

Zu Beginn des Treffens stand der Erfahrungsaustausch aus den drei Ländern bezüglich der aktuellen Entwicklungen des Case Managements im Vordergrund. So steht in Deutschland das CM durch die Umsetzung des neuen Bundesteilhabegesetzes ab 1. Januar 2017 vor starken Herausforderungen. Das Gesetz hat Schnittmengen zum Handlungskonzept des CM und soll Menschen mit Beeinträchtigungen und Sucht die Teilhabe und die Inklusion erleichtern. In der Praxis findet sich dieses Teilhabemanagement ebenfalls in CM-Konzepten.

Einen weiteren Bereich stellt die Erweiterung der Pflegeberatung dar, die in Deutschland in verschiedenen Gesetzen geregelt sind. So soll auf kommunaler Ebene für Pflegebedürftige und deren Angehörige eine koordinierte Beratung angeboten werden.

Im Strafvollzug nimmt die ganzheitliche Betreuung im Sinne einer Resozialisierung zu. So erhalten die Betroffenen schon bei Eintritt in die Gefängnisse bis zum Austritt und der Bewährungshilfe umfassende Unterstützung im Sinne eines Case Managements.

Insgesamt findet CM in Form verschiedener Begrifflichkeiten und in vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, aber mit gleichen Standards, statt.

In Österreich läuft eine stattliche Zahl von zentralen Projekten wie z.B. das Jugendcoaching. Auch wird Case Management im präventiven Sinne zur Vermeidung von frühzeitigen Verrentungen eingesetzt.

Die Schweizer Delegation betont, dass Case Management in ihrem Land immer noch vorwiegend im Versicherungssektor und im Personalbereich angesiedelt ist. Ein weiterer grosser Arbeitsbereich stellt das CM im Gesundheitswesen dar, insbesondere im Spital, wobei hier das Austritts- bzw. Übertrittsmanagement hervorzuheben ist. Auch auf der kantonalen und Gemeindeebene finden sich einige CM-Dienstleistungen. Diesbezüglich wurde angemerkt, dass gerade durch die Neugestaltung der Behindertenhilfe mit den neuen Bundesvorgaben und der Strategie der Nicht übertragbaren Krankheiten («Stichwort Koordinierte Versorgung») des Bundesamtes für Gesundheit das CM mannigfaltig zum Einsatz kommt.

Weiteres Thema war der Einsatz von Case Management in der Flüchtlingshilfe. Die Ausgangslage, die Zahl der Flüchtlinge und die verschiedenen politischen Ausrichtungen sind in den drei Ländern sehr unterschiedlich. Einig war man sich, dass sich die Begriffe «Rückkehrmanagement» und «Case Management» bedenklich nah stehen.

Bezüglich der Ausbildung von Case Managerinnen und Managern diskutierten die Ländervertreter über die verschiedenen Ausrichtungen. Während in Deutschland und Österreich von Seiten der Dachverbände Standards vorgegeben werden und Zertifizierungen der einzelnen Ausbildungsinstitute stattfinden, bietet der Verein Netzwerk Case Management Schweiz letzteres nicht an. Grund dafür ist, dass die vom Netzwerk empfohlenen Ausbildungen auf CAS-Niveau Hochschulen durchführen, wo per se eine hohe Qualität sichergestellt ist. Ausserdem haben die Hochschulen dadurch die Möglichkeit, verschiedene Schwerpunkte zu setzen.

 

Allen drei Ländern gleich ist, dass Case Management als leitende Konzeption noch vermehrt in den Organisationen Einzug halten sollte, damit ein Scheitern des vermieden werden kann.

Der Austausch war sehr willkommen, auch um die verschiedene Sichtweisen und Rahmenbedingungen in den drei Ländern zu erörtern. Dies unterstützt die einzelnen Dachorganisationen ihre Ausrichtung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Im 2018 lädt der Österreichische Verband ÖGCC zu diesem Treffen ein.

 

Lars Golly

Vorstandsmitglied

Verein Netzwerk Case Management Schweiz

 

Foto: zvg

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